Die Internationalen Schostakowitsch-Tage Gohrisch wurden zum Schauplatz eines historischen Konzertmorgens: Rostislav Krimer präsentierte drei europäische Erstaufführungen von Werken Lev Abeliovichs. Das Konzert markierte einen Meilenstein in der Wiederentdeckung des lange vergessenen Komponisten.
Von Michael Ernst FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG 01.07.2026
„…Wie evident diese Nähe war, vermochte Rostislav Krimer nicht nur in Worten zu erklären – „Abeliowitsch kannte ich bereits als Kind, weil er mit meinem Vater befreundet war, aber seiner Musik widme ich mich wegen ihrer großen Qualität!“ –, sondern auch am Klavier zu belegen. Gleich drei Kompositionen, entstanden zwischen 1955 und 1974, wurden als europäische Erstaufführungen in Gohrisch gegeben.
Ein träumerisch tastendes Adagio, in getragener Zurückhaltung von Krimer und Mönkemeyer interpretiert, dürbe in biographischer Sicht einen Lebensweg deuten, der in ähnlicher Weise vom nationalsozialistischen wie vom stalinistischen Antisemitismus mitgeprägt worden ist.
Elegische Kontraste dazu setzte Schostakowitschs erst vor acht Jahren in Gohrisch uraufgeführtes Impromptu aus dem Jahr 1931, das wiederum von zwei weiteren Abeliowitsch-Werken gerahmt worden ist. Seine Klaviersonate von 1974 ließ sich als inneres Monologisieren über die bewegte Biographie des Komponisten deuten, als offenherziger Reflex eines traumatisierten Lebensweges, der sich aller Bedrängnis zum Trotz Würde und Stolz zu bewahren verstand. Zwei Jahrzehnte zuvor schuf Abeliowitsch sein Trio für Violine, Cello und Klavier, in dem die antijüdischen Kampagnen der späten Stalin-Ära schmerzlich zum Tragen kommen. Eine emotional leidvolle Klangsprache, gewürzt mit aufbegehrendem Esprit, verzweifelt aufgrund unvergessener Kriegserinnerungen sowie neuerlicher Nöte und Ängste…“